1. Die Zahl, die alles entscheidet

Ein Retreat zu planen läuft auf eine Zahl hinaus: die Personenzahl, ab der du aufhörst, Geld zu verlieren. Unterkunft, Ablauf, Marketing und Preis hängen alle daran. Rechne sie zuerst aus, und jede spätere Entscheidung hat einen Maßstab.

Diese Zahl ist dein Break-even — deine Gewinnschwelle. Fast jedes Retreat, das still Geld verliert, tut das, weil seine Veranstalterin diese Zahl falsch berechnet hat. Oder nie. Der Fehler ist fast immer derselbe, und er verdient es, einmal komplett gesehen zu werden.

Fixkosten gegen Kosten pro Person

Jede Ausgabe eines Retreats fällt in eine von zwei Kategorien, und diese Trennung macht die Rechnung erst möglich.

  • Fixkosten entstehen, ob eine Person kommt oder vierzehn. Du mietest das ganze Haus — es kostet in beiden Fällen dasselbe. Das Honorar der Lehrerin, die Versicherung, das Geld fürs Marketing: nichts davon bewegt sich mit der Personenzahl.
  • Variable Kosten entstehen nur, weil eine bestimmte Teilnehmerin dabei ist. Ihr Essen, ihr Transfer vom Flughafen, ihre Zahlungsgebühr, ihre Willkommensmappe.

Die meisten Budgetvorlagen sortieren Ausgaben nach Kategorie — Unterkunft, Verpflegung, Team. Sieht ordentlich aus und beantwortet nichts. Ein Budget, sortiert danach, ob die Kosten sich mit der Personenzahl bewegen, beantwortet die einzige Frage, die zählt.

Die Formel

Deckungsbeitrag = Preis pro Person − variable Kosten pro Person Break-even = Fixkosten ÷ Deckungsbeitrag

Der Deckungsbeitrag ist das, was jede zusätzliche Teilnehmerin wirklich beisteuert, um deine Fixkosten zu decken. Teile die Fixkosten durch ihn, und du hast die Personenzahl, ab der das Retreat aufhört, Geld zu verlieren.

Ein Rechenbeispiel

Ein Yoga-Retreat, sieben Nächte im Alentejo, Portugal. Das Haus schläft 14 Personen in Mehrbett- und Einzelzimmern. Die Zahlen sind in Euro und bewusst unspektakulär — ein normales kleines Retreat, kein Luxus.

Fixkosten — gleich bei 4 wie bei 14 Personen
PostenBetrag
Unterkunft, 7 Nächte, ganzes Haus4.200
Honorar der Hauptlehrerin900
Marketing und Werbung350
Versicherung140
Dein eigenes Honorar2.000
Summe fix7.590
Variable Kosten — pro Person
PostenPro Person
Essen und Catering135
Flughafentransfer34
Zahlungsgebühren, 3 % von 89527
Summe variabel196

Bei einem Preis von 895 pro Person:

Deckungsbeitrag = 895 − 196 = 699 Break-even = 7.590 ÷ 699 = 10,9 → 11 Personen
Was bei jeder Belegung passiert
PersonenEinnahmenGesamtkostenErgebnis
87.1609.158−1.998
98.0559.354−1.299
108.9509.550−600
119.8459.746+99
1210.7409.942+798
1412.53010.334+2.196

Achte darauf, was die rechte Spalte bedeutet. Deine 2.000 Honorar stecken schon in den Kosten — sie sind bezahlt, bevor irgendeine dieser Zahlen entsteht. Was die Tabelle zeigt, ist das, was das Retreat zusätzlich zu deinem Honorar einbringt. Bei 14 Personen nimmst du insgesamt 4.196 mit nach Hause.

Der Fehler, den fast alle machen

Die 2.000, die die Antwort ändern

Nimm dein Honorar aus den Fixkosten heraus — wie es die meisten Retreat-Budgets tun — und die Rechnung lautet: 5.590 Fixkosten geteilt durch 699 Deckungsbeitrag, also ein Break-even von 8 Personen.

Diese Zahl ist um drei Personen falsch, und zwar in die Richtung, die wehtut. Sie erzählt dir, ein halb gefülltes Retreat gehe auf. Es geht auf — wenn du bereit bist, sieben Tage umsonst zu arbeiten. Das ist keine unternehmerische Entscheidung, das ist unbezahlte Arbeit, der nie jemand zugestimmt hat.

Der Abstand zwischen 8 und 11 ist die Stelle, an der die meisten ersten Retreats sterben. Die Veranstalterin verkauft neun Plätze, atmet auf, rennt durch eine erschöpfende Woche und kommt mit weniger Geld nach Hause, als sie hatte — und schließt daraus, dass Retreats nicht funktionieren.

Plane nicht mit vollem Haus

Setze den Preis so, dass das Retreat bei rund zwei Dritteln Auslastung besteht. Funktioniert es nur ausverkauft, ist das kein Plan — es ist eine Wette darauf, dass ein erster Start ausgebucht ist.

Zwei Drittel von 14 sind etwa 9. Bei 9 Personen verliert dieses Retreat 1.299. Der Plan besteht seinen eigenen Härtetest also nicht — und es gibt genau drei Hebel:

  • Den Preis erhöhen. Für einen Break-even bei 9 braucht es einen Deckungsbeitrag von 7.590 ÷ 9 = 843. Zurückgerechnet durch die 3 % Zahlungsgebühren ergibt das einen Preis von etwa 1.045 statt 895.
  • Fixkosten senken. Ein günstigeres Haus, oder eine Co-Lehrerin mit Gewinnbeteiligung statt Festhonorar, senkt den Break-even direkt.
  • Plätze reduzieren. Ein kleineres Haus mit niedrigeren Fixkosten kann das bessere Geschäft sein als ein großes, das du nicht füllst.

Alle drei sind vernünftig. Nicht vernünftig ist, das Problem erst nach der Anzahlung zu entdecken.

Genau das baut Amoenia

Das Werkzeug, das diese Rechnung für dich macht — jede Annahme änderbar, jede Zahl neu berechnet. In Entwicklung: Die Early-Access-Liste ist zuerst drin.

Früher Zugang

2. Konzept, Plätze und Termine

Wähle die Gruppengröße, die du wirklich füllen kannst — nicht die, die in die Unterkunft passt. Die Platzzahl ist zuerst eine Verkaufsgrenze, dann erst eine logistische.

Ein erstes Retreat verkauft sich fast nur an Menschen, die dich schon kennen. Bevor du eine Unterkunft suchst, zähle die realistischen Käuferinnen: eine Mailliste, die deine Nachrichten öffnet, ein wöchentlicher Kurs, eine Community, die dich persönlich erlebt hat. Sind das 200 Menschen, ergeben 2 bis 5 % Conversion zwischen 4 und 10 Plätzen — und das ist die Retreat-Größe, die du planen solltest.

Die Termine

Zwei Zwänge prallen aufeinander. Gefragte Häuser sind 9 bis 12 Monate im Voraus vergeben. Deine Teilnehmerinnen brauchen genug Vorlauf für Urlaub und Flüge — aber nicht so viel, dass das Retreat abstrakt bleibt und die Entscheidung vertagt wird.

In der Praxis: Öffne den Verkauf 6 bis 8 Monate vor dem Termin für ein Retreat im Ausland, 3 bis 4 für ein Wochenende in Deutschland. Alles darunter verkürzt dein Verkaufsfenster — die Ressource, von der du am wenigsten hast.

3. Das Budget bauen

Liste jede Ausgabe auf und ordne sie danach, ob sie sich mit der Personenzahl bewegt. Dann lege eine Reserve an, die du fest vorhast, nie auszugeben.

Die Posten unten decken die meisten Retreats ab. Die Spalte, auf die es ankommt, ist die zweite.

Kosten-Checkliste
PostenTypWird gern vergessen
Miete der UnterkunftFixEndreinigung, Kurtaxe, Kaution
Essen und CateringVariabelSonderkost, die Mahlzeiten der Köchin
Lehrerin oder FacilitatorinFixIhre Flüge und ihre Unterkunft
Dein eigenes HonorarFixFast immer. Siehe Abschnitt 1
TransfersVariabelDie zweite Fahrt für verspätete Flüge
VersicherungFixDie Betriebshaftpflicht, getrennt von der Reiseversicherung
ZahlungsgebührenVariabel2 bis 4 %, plus Umrechnung bei ausländischen Karten
MarketingFixDie Fotos — oft der größte Posten
Material und WillkommensmappeVariabelDer Versand bis zur Unterkunft
ReserveFix10 % von allem darüber

Das Währungsrisiko

Verkaufst du in einer Währung und bezahlst das Haus in einer anderen, geht eine Bewegung von 5 % zwischen Anzahlung und Restzahlung direkt von deiner Marge ab. Im Beispiel oben sind das 210 allein auf die Unterkunft — mehr als die Hälfte des Marketingbudgets, verschwunden, ohne etwas zu kaufen. Entweder den Kurs mit dem Haus festschreiben, oder Puffer einpreisen.

Die Reserve-Regel

Zehn Prozent, separat, und als bereits ausgegeben betrachtet. Die Reserve ist nicht dafür da, Extras zu bezahlen, wenn alles gut läuft — sie ist dafür da, dass ein kaputter Boiler oder der gestrichene Flug der Lehrerin aus einem profitablen Retreat kein Verlustgeschäft macht.

4. Die Unterkunft finden und prüfen

Der Vertrag mit der Unterkunft trägt mehr finanzielles Risiko als jede andere Entscheidung des Retreats. Lies die Storno- und Mindestbelegungsklauseln, bevor du die Fotos anschaust.

Was du vor der Unterschrift fragen solltest

  • Wie sieht der Zahlungsplan aus, und was ist an welchem Punkt nicht mehr erstattbar? Diese eine Antwort bestimmt die Anzahlung, die du von deinen eigenen Teilnehmerinnen verlangen musst.
  • Gibt es eine Mindestbelegung oder einen Mindestumsatz? Ein Haus, das 12 Plätze berechnet, ob sie kommen oder nicht, verwandelt variable Kosten in fixe und schiebt deinen Break-even nach oben.
  • Was ist wirklich inklusive? Bettwäsche, Handtücher, Zwischenreinigung, der Praxisraum zu jeder Uhrzeit, Parkplätze, ein WLAN, das die Zimmer tatsächlich erreicht.
  • Wie sieht die echte Zimmeraufteilung aus? „Schläft 14" heißt oft: 14, davon zwei auf Schlafsofas. Frag nach der Zahl der Zimmer und der Betten pro Zimmer.
  • Wer ist sonst noch auf dem Gelände? Geteilte Anwesen, andere Buchungen, Eigentümer, die dort wohnen.
  • Was passiert, wenn das Haus absagt? Seltener — und viel zerstörerischer. Frag, was es dir dann schuldet.
  • Gibt es eine Küche, die du nutzen darfst, oder bist du an deren Catering gebunden? Dieser Punkt kann deine Essenskosten pro Person verdoppeln — oder halbieren.
Die Frage, die am meisten Geld spart

„Wenn weniger Teilnehmerinnen kommen als geplant — kann ich Zimmer zurückgeben, und bis wann?" Ein Haus, das dich mit 60 Tagen Vorlauf von 14 auf 10 Plätze gehen lässt, hat dir gerade den Großteil deines Risikos abgenommen. Ein Haus, das das nicht tut, hat deine Platz-Entscheidung am Tag der Unterschrift endgültig gemacht.

Besichtigen

Besichtige, wenn das Retreat erreichbar ist. Wenn nicht, verlange einen Rundgang per Video — live, kein aufgezeichnetes Video — und lass dir die Bäder zeigen, den Praxisraum zu der Uhrzeit, zu der du ihn nutzen wirst, und den Weg von den Zimmern zum Essbereich im Dunkeln.

5. Preis und Anzahlung

Leite den Preis aus dem Break-even von Abschnitt 1 ab, nicht aus dem, was andere Retreats verlangen. Konkurrenzpreise sagen, was ein Markt erträgt — sie sagen nichts darüber, ob deine Kosten aufgehen.

Die Reihenfolge: Break-even bei einem Preiskandidaten berechnen, bei zwei Dritteln Auslastung stresstesten, den Preis anpassen, bis er besteht — und erst dann mit vergleichbaren Retreats abgleichen. Liegt dein nötiger Preis weit über dem Markt, ist das Problem deine Kostenstruktur, nicht dein Preis.

Zimmer mit mehreren Preisstufen

Mehrbett- und Einzelzimmer zu verschiedenen Preisen verkomplizieren die Rechnung: Dein Deckungsbeitrag wird zum gewichteten Mittel, das vom verkauften Mix abhängt. Die vorsichtige Methode: Berechne den Break-even nur mit der Marge der günstigsten Stufe. Wenn das Retreat funktioniert, wenn alle das billigste Bett buchen, funktioniert es.

Die Anzahlung

Deine Anzahlung sollte deine eigenen nicht erstattbaren Verpflichtungen decken, solange eine Teilnehmerin noch stornieren kann. Behält das Haus ab Unterschrift 30 % ein und du verlangst 20 %, finanzierst du die Differenz bei jedem Rücktritt persönlich.

Eine Struktur, die für ein Retreat in 6 Monaten trägt:

  • Anzahlung bei Buchung: 30 %, nicht erstattbar, klar gesagt an der Stelle, an der bezahlt wird.
  • Restzahlung: 60 Tage vorher — in der Regel kurz vor deiner eigenen Schlusszahlung an das Haus.
  • Dazwischen: Platz übertragbar auf eine andere Person. Kostet dich nichts und löst die meisten Storno-Gespräche ohne Erstattung.
„Nicht erstattbar" steht in AGB — und AGB werden kontrolliert

Deine Stornoklauseln sind Allgemeine Geschäftsbedingungen, und die unterliegen in Deutschland der Inhaltskontrolle. Eine pauschale „keine Erstattung, egal wann"-Klausel kann unwirksam sein; Stornopauschalen müssen sich grob am tatsächlichen Schaden orientieren, und der Kundin bleibt der Nachweis, dass dein Schaden geringer war. Genau deshalb ist die Staffel aus dem nächsten Abschnitt — abgeleitet aus deinen echten Verpflichtungen — nicht nur fairer, sondern auch haltbarer.

Sag „nicht erstattbar" in den Worten, die eine Teilnehmerin vor dem Bezahlen liest, nicht nur in per Häkchen akzeptierten Bedingungen. Das vermiedene Erstattungsgespräch ist mehr wert als die vielleicht verlorene Buchung.

6. Storno, Erstattung und Versicherung

Stornobedingungen haben drei Aufgaben: einer Teilnehmerin sagen, was bei ihrem Rücktritt passiert; sagen, was passiert, wenn du absagst; und verhindern, dass du auf bereits bezahlten Kosten sitzen bleibst. Die meisten erfüllen nur die erste.

Baue die Staffel auf deinem eigenen Zahlungsplan

Der übliche Weg: Prozentsätze wählen, die fair klingen. Der bessere: die Staffel auf die Daten legen, an denen dein eigenes Geld unwiederbringlich wird. Behält das Haus deine Anzahlung ab Unterschrift und zieht den Rest 60 Tage vorher ein, hat deine Staffel zwei natürliche Stufen — genau diese beiden Daten.

Eine Staffel, abgeleitet aus Verpflichtungen statt aus dem Bauchgefühl
RücktrittErstattungWarum
Mehr als 90 Tage vorherAlles außer der AnzahlungNur die Anzahlung ans Haus ist gebunden; der Platz lässt sich neu verkaufen
60 bis 90 Tage50 %Der Wiederverkauf wird schwer, deine Restzahlung rückt näher
Unter 60 TagenNichts, aber Platz übertragbarDas Bett ist dem Haus bereits voll bezahlt

Eine so gebaute Staffel lässt sich im Gespräch verteidigen, weil jede Stufe einen Grund hat, den du laut aussprechen kannst. „Wir behalten 50 %, weil das Haus bereits bezahlt ist" klingt anders als „unsere Richtlinie sind 50 %".

Der Satz, der ein Retreat rettet

Mindestteilnehmerklausel

„Dieses Retreat findet ab 10 Teilnehmerinnen statt. Wird diese Zahl bis zum 15. Januar nicht erreicht, findet das Retreat nicht statt und jede Zahlung wird vollständig erstattet."

Schreib das in die Bedingungen, bevor du den ersten Platz verkaufst. Es verwandelt das schlimmste Szenario — ein halb verkauftes Retreat, das du dich verpflichtet fühlst, mit Verlust durchzuziehen — in eine geplante Entscheidung, der deine Teilnehmerinnen schon zugestimmt haben. Und es macht das Absagen viel weniger schmerzhaft: Niemand ist überrascht.

Wenn du diejenige bist, die absagt

Vollständige Erstattung ist die Norm — und, ehrlich gesagt, das Reputations-Minimum. Die Flüge deiner Teilnehmerinnen sind ein eigenes Thema: Sie sind nicht deine Haftung, aber sag das schwarz auf weiß in den Bedingungen, statt es gemeinsam am großen Tag herauszufinden. Erstattbare Tarife oder eine Reiseversicherung zu empfehlen kostet dich nichts und erspart den größten Teil des Streits.

Die Versicherungen

Die Betriebshaftpflicht ist von der Reiseversicherung getrennt — und sie ist die, deren Nachweis Unterkünfte sehen wollen. Deine Reiseversicherung deckt nicht deine Teilnehmerinnen, und deren Versicherung deckt nicht deine Haftung als Veranstalterin.

  • Betriebshaftpflicht — deckt Ansprüche, wenn sich eine Teilnehmerin verletzt. Viele Häuser verlangen den Nachweis vor der Schlüsselübergabe: Frag beim Vertrag, was sie brauchen, nicht in der Woche davor.
  • Reiseversicherung der Teilnehmerinnen — mach sie zur Buchungsbedingung, schriftlich, inklusive Kranken- und Rücktrittsschutz. Dort, wo man es vor dem Bezahlen liest, nicht in einem Häkchen.
  • Veranstaltungsausfallversicherung — schützt die Veranstalterin, wenn das Retreat nicht stattfinden kann. Die Prämie lohnt sich meist erst, wenn deine unwiederbringlichen Verpflichtungen groß sind: Wiege sie gegen die Fixkosten aus Abschnitt 1 ab.
Unterkunft + Transport = Pauschalreise-Territorium

Wer Unterkunft und Beförderung kombiniert verkauft — ein Retreat, dessen Preis Flüge oder einen Bustransfer einschließt — kann in Deutschland rechtlich zur Reiseveranstalterin werden (Pauschalreiserecht, §§ 651a ff. BGB). Dann drohen Pflichten weit über eine Stornoregel hinaus, allen voran die Insolvenzabsicherung mit Sicherungsschein. Viele Veranstalterinnen umgehen das, indem sie Unterkunft und Programm verkaufen und die Anreise jeder selbst überlassen. Dieser Leitfaden kann dir nicht sagen, welches Regime für dich gilt — er kann dir sagen, dass die Frage vor dem Verkauf zu klären ist, nicht danach.

7. Dienstleister und Team

Bestätige Dienstleister über Belegungsstufen statt über die Endzahl — damit ein kleineres Retreat dich weniger kostet, statt gleich viel.

Wo immer möglich, lege die Verbindlichkeit gegenüber Dienstleistern auf den Moment, in dem die Restzahlungen deiner Teilnehmerinnen fällig sind. Ein Caterer, der die endgültige Zahl 14 Tage vorher braucht, ist einfach. Einer, der sie 90 Tage vorher braucht, bittet dich, sein Risiko zu tragen.

Co-Lehrerinnen

  • Festhonorar. Einfach — und ein Fixposten: Es hebt deinen Break-even, und sie wird bezahlt, ob sich das Retreat verkauft oder nicht.
  • Gewinnbeteiligung. Senkt deinen Break-even und richtet euch beide aufs selbe Ziel aus — vorausgesetzt, die Rechnung steht vorher schriftlich fest, im Detail, einschließlich der Frage, welche Ausgaben zuerst abgezogen werden.

Egal welches Modell: Schreibt auf, was bei einer Absage passiert. Das ist das Gespräch, das niemand führt und das am Ende alle brauchen.

8. Es füllen

Ein erstes Retreat verkauft sich fast vollständig an Menschen, die dich schon kennen. Baue den Launch darauf auf — und behandle bezahlte Werbung als Budgetposten, nicht als Rettungsring.

  1. Sag es zuerst deinem engsten Kreis, privat, vor jeder öffentlichen Ankündigung. Stammschülerinnen, frühere Klientinnen, alle, die schon nach einem Retreat gefragt haben. Hier gehen meist mehrere Plätze weg.
  2. Kündige es deiner ganzen Liste an — mit allen Details, echten Fotos des Hauses und dem Preis sichtbar, ohne Formular.
  3. Wiederhole. Die meisten, die am Ende buchen, buchen nicht bei der ersten Ankündigung. Drei bis fünf Kontakte über mehrere Wochen sind normal, nicht aufdringlich.
  4. Erst dann bezahlte Werbung — mit ihren Kosten bereits in den Fixkosten verbucht.

Wenn es sich nicht verkauft

Sechs Wochen, zwei Buchungen, Break-even bei 11 — die Optionen sind schmal, und jede ist besser als Abwarten:

  • Das Haus bitten, Zimmer freizugeben, und den Break-even mit kleinerer Kapazität neu rechnen.
  • Fixkosten senken — Co-Lehrerin auf Gewinnbeteiligung, Marketingbudget halbieren.
  • Den Termin verschieben: fast immer billiger als absagen, wenn das Haus mitspielt.
  • Früh absagen. Eine Absage 90 Tage vorher kostet einen Bruchteil einer Absage 21 Tage vorher — und noch hat niemand Flüge gebucht.

Lege das Entscheidungsdatum im Voraus fest — ein konkreter Tag, an dem eine konkrete Buchungszahl eine konkrete Handlung auslöst. In Ruhe entscheidet man anders als um drei Uhr nachts, drei Wochen vorher.

9. Anmeldung und Angaben

Sammle Teilnehmerinnen-Angaben nach Zeitplan ein, nicht auf einmal. Gesundheitsangaben im Moment der Zahlung abzufragen kostet Buchungen; sie eine Woche vor Anreise abzufragen kostet Verlässlichkeit.

  • Bei Buchung: Name, E-Mail, Zimmerwunsch, Zahlung. Sonst nichts.
  • Bei der Restzahlung (60 Tage): Ernährung und Allergien, An- und Abreisezeiten, Zimmerwünsche, Notfallkontakt.
  • 14 Tage vorher: Flugnummern, Mobilitäts- oder Gesundheitshinweise, die den Ablauf betreffen — alles, was den Regieplan ändert.
DSGVO: Allergien und Unverträglichkeiten sind Gesundheitsdaten

Allergien, Unverträglichkeiten und medizinische Hinweise sind Gesundheitsdaten — besondere Kategorie nach Art. 9 DSGVO, mit strengeren Regeln als ein gewöhnliches Kontaktformular. Erhebe nur, was du für einen sicheren Ablauf wirklich brauchst, sag, wofür du es verwendest, und lösche es danach. Eine Tabelle mit den Diagnosen deiner Teilnehmerinnen unbegrenzt aufzubewahren, „falls man sie nächstes Jahr braucht", ist genau das, was die Regel verhindern soll.

10. Der Regieplan

Der Regieplan ist das Retreat Stunde für Stunde, mit einer namentlich verantwortlichen Person für jeden Übergang. Er ist das, was ein Retreat, das ruhig wirkt, von einem unterscheidet, das improvisiert.

Der Ablauf, den deine Teilnehmerinnen sehen, ist die Marketing-Version: Morgenpraxis, Frühstück, freier Nachmittag. Der Regieplan ist die operative Version — die mit den Teilen, die niemand sieht:

  • Wer den Praxisraum aufschließt, und um wie viel Uhr
  • Wann der Caterer kommt, und wer ihm öffnet
  • Wer die Teilnehmerinnen nach dem Ausflug zurück in den Kleinbus zählt
  • Was passiert, wenn die Einheit überzieht und das Frühstück wartet
  • Wer nachts erreichbar ist, und wie

Druck ihn aus. Netz auf einem portugiesischen Hügel ist kein Plan.

Die ersten zwei Stunden

Die Ankunft gibt den Ton der Woche vor — und sie ist der Moment mit der größten Pannenwahrscheinlichkeit: Teilnehmerinnen, die zu verschiedenen Zeiten landen, ein verspäteter Flug, jemand, der sofort das Zimmer wechseln muss. Überbesetze die ersten zwei Stunden und unterbesetze die Wochenmitte — nicht umgekehrt.

11. Nach dem Retreat

Gleiche die echten Kosten innerhalb einer Woche mit dem Budget ab, solange du noch weißt, was passiert ist. Es ist die wertvollste Stunde des ganzen Projekts: Sie macht das nächste Retreat berechenbar.

  • Ist gegen Soll, Zeile für Zeile. Nicht die Summe — die Zeilen. Die Summe sagt, ob dieses Retreat funktioniert hat; die Zeilen sagen, was du ändern musst.
  • Wofür die Reserve wirklich draufging. Nach zwei, drei Retreats ist sie keine Reserve mehr, sondern ein Kostenposten, den du vorhersagen kannst.
  • Wer über welchen Weg kam. Kamen neun von elf über deine Liste und zwei über Werbung für 350, weißt du jetzt, was dich bezahlte Akquise pro Platz wirklich kostet.

Bitte um Feedback, solange alle noch in der Blase sind — aber lies es zwei Wochen später, wenn du es nicht mehr bist.

12. Der Zeitplan

Typischer Ablauf für ein Retreat im Ausland
WannWas
12–9 MonateKonzept, Plätze, Break-even, Shortlist der Unterkünfte
9 MonateBesichtigung oder Live-Video, Vertrag unterschrieben, Anzahlung geleistet
8 MonatePreis festgelegt, Zahlungsbedingungen geschrieben, Stornoregeln formuliert
7 MonateFotos, Seite online, private Ankündigung im engsten Kreis
6 MonateÖffentlicher Launch, Verkauf offen
4 MonateAbgleich mit den Buchungszielen — das Entscheidungsdatum
3 MonateDienstleister bestätigt, Flüge der Lehrerinnen gebucht
2 MonateRestzahlungen eingezogen, Bögen verschickt, Schlusszahlung ans Haus
1 MonatRegieplan geschrieben, Caterer über Ernährung informiert
2 WochenFlugdaten da, Transfers fixiert, Notfallblatt gedruckt
DanachBudget abgeglichen, Feedback gesammelt, Lehren notiert

Ein Wochenende in Deutschland staucht das Ganze etwa auf ein Drittel — die Reihenfolge aber bleibt.

13. Häufige Fragen

Wie viele Personen braucht es, damit es sich rechnet?

Teile deine Fixkosten durch den Deckungsbeitrag pro Person — den Preis abzüglich der Kosten, die nur entstehen, weil diese Person dabei ist. Im Beispiel dieser Seite: 7.590 Fixkosten, 699 Deckungsbeitrag, Break-even bei 11 von 14 Plätzen. Eine allgemeine Antwort gibt es nicht — es gibt deine, und die ist in zehn Minuten gerechnet.

Wie weit im Voraus sollte man anfangen?

Neun bis zwölf Monate für ein Retreat im Ausland, vier bis sechs für ein Wochenende in Deutschland. Der Engpass ist fast nie die Verfügbarkeit des Hauses — es ist die Zeit, die der Verkauf der Plätze braucht, beim ersten Retreat immer länger als gedacht.

Wie hoch sollte die Anzahlung sein?

Hoch genug, um deine eigenen nicht erstattbaren Verpflichtungen zu decken, solange eine Teilnehmerin noch stornieren kann. Behält das Haus ab Unterschrift 30 % ein, heißt eine niedrigere Anzahlung: Das Risiko liegt bei dir. Und denk daran: Deine Stornoklauseln sind AGB — pauschale „nichts zurück"-Regeln halten nicht unbedingt.

Kalkuliert man mit vollem Haus?

Nein. Stresstest bei rund zwei Dritteln Auslastung. Ein Retreat, das nur ausverkauft funktioniert, ist eine Wette — abgeschlossen auf einen Launch, der noch nicht stattgefunden hat.

Was, wenn es sich nicht verkauft?

Lege vorher ein Entscheidungsdatum fest, mit einer Buchungszahl, die eine konkrete Handlung auslöst: Zimmer freigeben und neu rechnen, Fixkosten senken, Termin verschieben, oder absagen. Eine Absage 90 Tage vorher kostet einen Bruchteil einer Absage 21 Tage vorher. Der teure Fehler ist nicht das Absagen — es ist das Warten.

Brauche ich eine Versicherung?

Die Betriebshaftpflicht ist der Standard, getrennt von der Reiseversicherung — und viele Häuser verlangen den Nachweis vor der Schlüsselübergabe. Die Pflichten hängen vom Land ab, in dem das Retreat stattfindet: Prüfe, was dort gilt, nicht dort, wo du wohnst.

Amoenia wird genau dafür gebaut

Budget, Break-even und Regieplan an einem Ort, jede Annahme änderbar. In Entwicklung — die Early-Access-Liste ist zuerst drin.

Früher Zugang